Was hat es auf sich mit den Begriffen Fleisch und Geist?

Denn die da fleischlich sind, die sind fleischlich gesinnt, die aber geistlich sind die sind geistlich gesinnt. Aber fleischlich gesinnt sein ist der Tod, und geistlich gesinnt sein ist Leben und Friede. Denn fleischlich gesinnt sein istFeindschaft wider Gott, weil das Fleisch dem Gesetz Gottes nicht untertan ist; denn es vermag's auch nicht. Die aber fleischlich sind, können Gott nicht gefallen. Rö. 8.6-8 

 

In diesen Versen kommt uns eine radikale Trennung von Fleisch und Geist entgegen. Quasi eine Schwarz-Weiss-Malerei. In unserem Glaubensleben ist es oft nicht einfach diese Trennung zu erkennen und zu vollziehen. Aber auch bei andern Gläubigen und bei christlichen Gruppierungen fällt die Unterscheidung schwer. Dennoch ist diese Unterscheidung von unermesslicher Bedeutung, gerade wenn wir die obenstehenden Verse beherzigen. Sie hat ewigkeitsrelevante Folgen für die gesamte Menschenwelt und auch für uns und unsere christlichen Gemeinden. 

Nun denken viele, sie seien gute Christen und Gott könne mit ihnen zufrieden sein. Menschen die sich mit christlichem Gedankengut nicht identifizieren können, halten sich für moralisch integer oder glauben es verdient zu haben, dereinst ins Paradies zu kommen. Nach dem Fleisch leben heisst ja nicht primär, ins Bordell zu gehen, Spitzensport zu treiben, Fressen und Saufen, sondern ist in seiner „frommen“ Form genau so verwerflich und viel gefährlicher als in seinen hedonistischen Äusserungen. Denn Leben nach dem Fleisch wird in der moralisch hochstehenden Form, eben in der frommen Form, nicht als Regung des Fleisches wahrgenommen. Und das ist gefährlich, weil wir damit unter dem Urteil Gottes bleiben, Feinde Gottes zu sein. Aber wie kommen wir dazu, unsere fleischliche Weise zu überwinden? Im Philipperbrief steht die Aufforderung mit Furcht und Zittern daran zu schaffen, dass wir selig werden. Es gibt keine Methode, keinen Trick, keinen leichten Weg, der uns dahin führt unser fleischliches Wesen zu überwinden. Auch der unten zitierte Vers sagt nicht: spaziert einfach durch die enge Pforte, so werdet ihr selig. Nein: Ringet danach, dass ihr durch die enge Pforte eingeht. Luk. 13.24 

Dieser Vers spricht Ungläubige oder in falscher Weise Gläubige, eben fleischlich Gesinnte, an. Solches Ringen gilt für uns Gläubige genauso wie für die Fernstehenden.

Seit Jahren begleitet mich eine immer wiederkehrende Erfahrung. Mein Bestreben das Evangelium weiterzugeben, löst meistens grosse Frustrationen aus. Zum einen werde ich falsch verstanden oder stosse sofort auf Ablehnung und Unverständnis, zum andern fühle ich mich meist selber ziemlich versagend. Die anschliessende Aufarbeitung mit Fragen wie: „war ich zu forsch? zu kompromissbereit? war es die richtige Art? habe ich Wichtiges ausgelassen?“, beschäftigen mich oftmals noch lange Zeit. 

Hier kommt mir das Gleichnis vom vierfachen Acker zu Hilfe: Zum ersten habe ich ja nur den Samen auszustreuen. Die Samenkörner auf den Boden zu werfen ist jedoch ungleich einfacher, als das Evangelium weiter zu geben. Dennoch ich brauche es nur weiter zu geben. Alles andere entzieht sich meinen Möglichkeiten und es ist Gott und nicht ich, der ein Menschenherz zum lebendigen Glauben erwecken kann.

Zweitens ist im Gleichnis vorgezeichnet, wie es weiter gehen kann. Da ist der steinige Boden, der gar nicht aufnimmt, also schroffe Ablehnung. Weiter sind da die, die uns zustimmen, zu allem Ja sagen, aber bei Schwierigkeiten richten sie sich nach dem Wind und fallen ab. Bei wieder anderen findet der Same wohl Anklang und schlägt Wurzeln. Doch alles andere drängt sich vor, wird übermächtig und erstickt schliesslich das keimende Leben.

Dann gibt es zum Glück noch die, die aufnahmebereit sind, die im Glauben bleiben und zunehmen und schliesslich Frucht bringen. Ich erinnere mich nicht, dass je jemand meiner Angesprochenen zu dieser Kategorie gehörte. Also kommen wieder Zweifel. Was mache ich falsch? braucht es eine andere Methode? Oder wirkt Gott im Verborgenen oder im Nachhinein? Hörte ich zu wenig auf Gottes Geist, war ich fleischlich gesinnt und verhinderte dadurch Gottes Wirken?

Ich habe keine Antworten, stehe nach wie vor unbeholfen vor diesen ungemütlichen Fragen und frustrierenden Erfahrungen. Was hast Du für Antworten? Was machst Du für Erfahrungen? Darüber sollten wir als Gemeinde offen austauschen. 

Edi Linder